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Menschen ermutigen zu leben, was möglich ist

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Datum:
Veröffentlicht: 17.3.26
Von:
Laura Seidenath

Babyboomer, vielschichtige Arbeitsbiografien und unterschiedliche Lebenswelten, unterschiedliche Kulturen – all das verändert Bedürfnisse und Erwartungen in der Seniorenarbeit. Das Angebot muss sich ändern. Impulse dazu und Dank für den Einsatz der Ehrenamtlichen in der Seniorenarbeit wollte Volker Kandziora mit einem Ehrenamtstag der Seniorenpastoral geben. Rund 60 Aktive waren der Einladung ins Bistumshaus St. Otto in Bamberg gefolgt.

Neben der Gelegenheit zum Austausch mit anderen Senioren-Kreis-Leitungsteams und dem Dank für deren aktiven Einsatz ging es nicht darum mögliche Themen an die Hand zu bekommen. Es standen vor allem grundsätzliche Impulse im Fokus, also eher die Fragen: Warum werden bestimmte Themen in der Seniorenarbeit abgerufen? Was soll Seniorenarbeit leisten?

Der frühere Leiter der Erwachsenenbildung Forchheim und Erlangen-Höchstadt, Helmut Hof, arbeitete in seinem Impulsvortrag heraus, worüber es sich in der Seniorenarbeit nachzudenken lohnt, um dem Spagat zwischen zu wenig und zu viel Anspruch gerecht zu werden. Denn: nicht der Vortrag, das Angebot steht im Mittel- punkt, sondern Begegnung, Zugehörigkeit und Austausch.

Dies untermauerte Hof mit einer Studie, die den Zerfall der Verbundenheit in der Gesellschaft untersuchte. Daraus werde deutlich: die Menschen versuchen zunehmend sich Inseln der Zugehörigkeit zu schaffen. Sie hätten Sehnsucht nach Gemeinschaft, den Wunsch nach echten Gemeinschaftserlebnissen. Es gelte einen Rahmen zu schaffen, einen Ort zu finden, in dem Vertrauen entstehen könne, egal ob Gaststätte oder Pfarrheim. Vertrauen sei wichtig, damit die Menschen sich öffnen können und sich zeigen, wie sie sind. Wo sie sich akzeptiert und wertgeschätzt erfahren. Wo Sie das Gefühl haben, willkommen zu sein. Es gelten ein gegenseitiges sich Einbringen zu ermöglichen, weg vom bloßen Konsumieren, hin zum Mitgestalten. Es gelte ein Gefühl des Aufgehobenseins zu schaffen. Eine gemeinsame Richtung anzubieten. Und es gelte persönliche Entwicklung zu ermöglichen, ohne in Verpflichtungen gefangen zu sein. Helmut Hof blickte darüber hinaus auch auf die Vortragsinhalte. Im Laufe seiner Arbeit in der Erwachsenenbildung hätten sich drei thematische Schwerpunkte gezeigt: Reiseberichte, Seiten des Glücks und religiöse Themen.

Glücksforscher zeigten, so Hof, dass sich die Dinge im Alter neu ordnen. Auf Zeiten hoher Zufriedenheit in jungen Jahren folgten schwierigere Jahre in der Lebensmitte, währen die Zufriedenheit mit dem Alter wieder zunehme. Diese resultiere aus einem aktiven Lebensstil, Selbstbewusstsein, einem sozialen Miteinander und der Erfahrung wertgeschätzt zu werde.

Das müsse in der Seniorenarbeit vermittelt werden. 

Seniorenarbeit sei eine Chance, Menschen zu ermutigen zu leben, was möglich ist. Das Alter sollte als Entwicklungsprozess gesehen werden, nicht als Defizit-Katalog. Frei nach dem Motto: „im Alter kommt der Psalter“, stünden religiöse Themen bei Seniorenveranstaltungen nach wie vor hoch im Kurs. Es gebe jedoch oft auch gegenteilige Reaktionen – aufgrund negativer Erfahrungen von früher oder der Feststellung: „Das kann man nicht mehr ernst nehmen.“

Religiöse Inhalte dürften weder frömmelnd noch „mit dem Holzhammer“ daher kommen. Sie dürften den Menschen aber auch nicht einfach etwas wegnehmen. Es sei wichtig, einen Bezug zum eigenen Leben herzustellen. Einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Glauben zu ermöglichen.

Der Bezug zum eigenen Leben spiele auch eine Rolle, geht es um den interreligiösen Dialog, etwa um die Frage: Glauben wir an denselben Gott. Ein letzter Aspekt religiöser Themen sei der Bereich zur Ruhe kommen, Zeit haben, Natur und Stille.

Mit Helme Heine machte Hof deutlich, wie wichtig – im Rückblick – Freundschaft, Fantasie und Begegnung ist. Einfach mal einander zuzuhören. Es sei ein Leben lang möglich, Neues zu lernen. Die Aufgabe der Seniorenarbeit sei es, neue Möglichkeiten aufzuzeigen, Impulse zu setzten und ein positives Bild von Alter zu vermitteln.

Neben viel Raum für Austausch bot der Tag noch viele Praxisbeispiele, die Volker Kandziora nachmittags für die Teilnehmerinnen parat hatte. Auch stellte er verschiedene Hilfsmittel und Materialien vor.

Brigitte Pich

 

Infos

Neben Tipps für Rätsel und Leider gab es auch eine Reihe von nützlichen Links für die Seniorenarbeit und zu Praxisbespielen, sowie Buchtipps zum Beispiel zum Thema eines positiven Umgangs mit dem Altwerden.

·         „Von der Kunst des Altwerdens“, Wuniblad Müller, Herder, 2023.

·         Rundbrief „Miteinander auf dem Weg“. Anregungen, Materialien, Ge- bete, Texte für die Arbeit mit Seniorinnen und Senioren in Pfarrei und Pflege (über die Seite der Seniorenpastoral https://seniorenpastoral- bamberg.de/akutelles/rundbrief-miteinander-auf-dem-weg/)

·         www.seniorenpastoral-bamberg.de

·         https://keb-ba-fo-erh.de (Katholische Erwachsenenbildung)

·         https://www.seelsorge-im-alter.de/ (christliche Seiten)

·         www.goldjahre.de (Seiten mit Aktivitäten zu verschiedenen Themen)

·         https://mal-alt-werden.de/